Jürgen Mandl
„Politik muss Ernst der Lage begreifen“
Die explodierten Energiekosten gefährden mittlerweile weite Teile der Industrie, aber auch andere Bereiche der Kärntner Wirtschaft, warnt Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten.
Die Bundesregierung präsentierte heute eine Strompreisbremse. Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, begrüßt diese private Haushalte entlastende Maßnahme, weil sie der Wirtschaft in Form einer Stabilisierung der Konsumausgaben zugutekommt. Aber es gibt noch mehr zu tun.
Preissteigerungen im dreistelligen Prozentbereich
Mandl wiederholt seine Forderung, die von den Preisschocks hart getroffene Wirtschaft zu unterstützen. Denn: Nach wie vor schießen die Energiekosten wegen der Verwerfungen in Folge des russischen Kriegs gegen die Ukraine und der außer Kontrolle geratenen Inflation ungebremst durch die Decke. „Wie Industrievertreter am Mittwoch sehr anschaulich dargestellt haben, sprechen wir hier nicht von ein paar Euro, sondern von Preissteigerungen im dreistelligen Prozentbereich. Und das betrifft nicht nur die stromintensive Industrie, sondern jeden Gewerbe‑, Handwerks‑, Handels- oder Tourismusbetrieb“, stellt Mandl klar.
Mandl mahnt Problembewusstsein ein
Laut Wirtschaftskammer stiegen die Strompreise um das Achtfache, der Gaspreis auf das Zwölffache. Diese Kosten würden mit Fortdauer der Krise immer stärker bei den Firmen durchschlagen, je nach Laufzeit der Lieferverträge. „Diese Situation ist alarmierend, und ich mahne sowohl auf Bundes- als auch Landesebene mit höchster Dringlichkeit mehr Problembewusstsein ein. Wir steuern hier auf eine der schwierigsten Situationen der vergangenen Jahrzehnte zu, und ich vermisse sowohl auf EU- als auch auf Bundes- oder Landesebene Signale, dass die Warnungen der Wirtschaft dort angekommen sind“, schildert Mandl.
EU-weite Strom- und Gaspreisregulierung gefordert
Die Wirtschaftskammer setzt sich sowohl für eine EU-weite Strom- und Gaspreisregulierung als auch bei der Bundesregierung für einen Energiekosten-Zuschuss für Betriebe ein. „Wir brauchen eine klare Entscheidung beim morgigen Gipfel der EU-Energieminister ebenso wie rasche Hilfe für die heimische Wirtschaft. Dafür machen wir auf Ministerebene massiv Druck“, versichert Mandl.
Einrichtung eines „Expressgremiums“
Laut Mandl verzweifeln viele Unternehmen, weil sie auf der einen Seite von den hohen Energiekosten aufgefressen werden, aber auf der anderen Seite ihre fixfertigen Alternativenergie-Projekte nicht umsetzen können: „Weil das Land nicht in die Gänge kommt!“ Das betrifft, so Mandl, beispielsweise die bereits Ende Juli beim Energiegipfel der Wirtschaftskammer Kärnten von Landesrätin Sara Schaar zugesagte Einrichtung eines „Expressgremiums“, das mit schnellen Vorabentscheidungen die zügige Errichtung von Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlagen erleichtern soll. „Eine schnelle positive Entscheidung bringt Rechtssicherheit für den Projektwerber für die Energiegewinnung mit Eigennutzung. Und ein schneller negativer Bescheid verhindert weitere Zeit- und Geldverschwendung“, erklärt der Wirtschaftskammer-Präsident.
Forderungspapier eingebracht
Die unverzügliche Einrichtung dieses „Expressgremiums“ ist wesentlicher Bestandteil des Forderungspapiers, das die Wirtschaftskammer vor Wochen bei der Landesregierung einbrachte. „Die Vorschläge der Wirtschaft liegen auf dem Tisch. Jetzt ist die Zeit des Handelns gekommen“, betont Mandl. Kommende Woche finden die nächsten Gespräche zwischen Sozialpartnern und Landesregierung statt. Mandl: „Wir erwarten uns hier endlich konkrete Fortschritte der Landesregierung.“

