Adi Traar

„Die bes­te Lite­ra­tur-Ver­an­stal­tung ever“

Adi Traar (62) erreichte mit seinem Text „Terrasse mit Meerblick“ beim Kurzgeschichten-Wettbewerb „WortReich“ des Kärntner Bildungswerks den dritten Platz. Was ihn mit Kärnten verbindet, erzählt er im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“.

„Die bes­te Lite­ra­tur-Ver­an­stal­tung ever“ Autor Adi Traar, Adi Weisch, Gemeindevorständin Gerlinde Bauer-Urschitz sowie Vizebürgermeisterin und Kulturreferentin Christine Sitter (von links)

© Doris Rottermanner

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Der 62-jäh­ri­ge Adi Tra­ar ist Musi­ker, war Solo-Obo­ist bei den Gra­zer Phil­har­mo­ni­kern und lehrt an der Kunst­uni­ver­si­tät Graz. „Ich bin ein spät beru­fe­ner Autor. Im Jahr 2010 habe ich begon­nen, mei­ne Rei­se­ta­ge­bü­cher lite­ra­risch aus­zu­for­men. Ich habe auch gleich Ver­la­ge gefun­den, die mei­ne Erzäh­lun­gen ins Pro­gramm auf­ge­nom­men haben“, erin­nert sich Tra­ar, für den der „WortReich“-Wettbewerb des Kärnt­ner Bil­dungs­werks eine beson­de­re Ver­an­stal­tung war. „Das war die schöns­te Lite­ra­tur-Ver­an­stal­tung ever. Die Freund­lich­keit, der See, die Berg­ku­lis­se, aber auch der Wind“, freut sich der Gra­zer. Die bes­te Lite­ra­tur gibt es für ihn west­lich des Wör­ther­sees.

Nicht nur Autor

Neben dem Schrei­ben ist Tra­ar als Kom­po­nist und Inter­pret von Musik tätig. „Ich dre­he Musik­vi­de­os und kre­iere Hör­spie­le“, erzählt er. Nach dem Wett­be­werb am Faa­ker See gab es für ihn eine Piz­za, ein Bier und sehn­suchts­vol­le Bli­cke auf die Kara­wan­ken. Sein ein­ge­reich­ter Text „Ter­ras­se mit Meer­blick“, für des­sen Roh­fas­sung Tra­ar vier Tage brauch­te, fußt auf einer wah­ren Bege­ben­heit, die eine Aus­wei­tung und ein Abglei­ten ins Phan­tas­ti­sche erfährt. „Weder ange­sichts eines über­flu­ten­den Meers noch nach Kon­su­ma­ti­on von ‚Tita­nic‘. Ein­fach zu Hau­se, wech­sel­wei­se in Cafés“, berich­tet Tra­ar vom Schreib­ort, der auch hin und wie­der im Grü­nen sein kann.

Ver­bun­den mit Kärn­ten

Sei­ne Frei­zeit führt ihn oft nach Kärn­ten – mit Fahr­rad und Berg­schu­hen. „Vor­wie­gend in die Ber­ge, dabei zäh­len Zie­le in Kärn­ten seit jeher zu mei­nen belieb­tes­ten Tat­or­ten. Über Rad­tou­ren in Asi­en und Skan­di­na­vi­en sind Rei­se-Erzäh­lun­gen ent­stan­den. Jetzt unter­neh­me ich Rad­tou­ren mit mei­nem elf­jäh­ri­gen Sohn“, erzählt Tra­ar, des­sen Fami­li­en­chro­nik ein Grät­zel im Gail­tal anzeigt und der Ver­wandt­schaft in Ober­kärn­ten hat. „Mein ers­tes und ein­zi­ges Not-Biwak hun­der­te Meter über der Bau­stel­le zur Mal­ta­tal-Sper­re, die Lich­ter der Bau­fahr­zeu­ge unten, die Lich­ter der Ster­ne oben und wir haben über­lebt“, nennt der 62-Jäh­ri­ge einen Moment in Kärn­ten, an den er sich noch heu­te ger­ne erin­nert.

Inne­re Trieb­fe­der

Ideen für Tex­te bekommt er beim Spa­zie­ren über nicht all­zu stei­le Wege. „Grö­ße­re Bau­plä­ne las­sen sich da ent­wi­ckeln. Fürs Aus­for­mu­lie­ren brau­che ich dann aber eine Tisch­plat­te. Für kur­ze Zeit ist es mir gelun­gen, mei­ne Träu­me am Schrei­ben teil­ha­ben zu las­sen. Das ist für mich die inter­es­san­tes­te Bezugs­quel­le. Es setzt aber eine Lebens­form vor­aus, die ich im Berufs- und Fami­li­en­all­tag nicht umset­zen kann“, erklärt Tra­ar, der sei­ne Moti­va­ti­on mit einer Trieb­fe­der ver­gleicht. „Nichts ist auf­re­gen­der als ein wei­ßes Blatt, manch­mal aber auch Ehr­furcht ein­flö­ßend. Es ist umso befrie­di­gen­der, wenn man sich auf den Trieb ein­ge­las­sen hat, durch ihn, mit ihm etwas in die Welt gesetzt hat“, gibt er einen Ein­blick in sei­ne Gedan­ken­welt.

Fas­zi­na­ti­on für die Lite­ra­tur

Das Schrei­ben und Lesen ist für Tra­ar eine Zuflucht, es ent­las­tet ihn als Men­schen in sei­nen dunk­len Abgrün­den und sie sind ver­zeih­lich. „Wenn sich Lite­ra­tur mora­lisch anpas­sen muss, geht die­se Schutz­funk­ti­on ver­lo­ren, sie ist aber wich­tig, es gibt sie nur in der Lite­ra­tur, die Musik gewährt einem so eine nicht. Schrei­ben lässt mir Din­ge kla­rer wer­den, ohne Schrei­ben ver­blö­de ich“, ist der Gra­zer über­zeugt. Auch bei der per­sön­li­chen Bedeu­tung von Lite­ra­tur und Kul­tur fin­det Tra­ar deut­li­che Wor­te. „Es ist viel wich­ti­ger, als vie­len Men­schen bewusst ist. Geht uns der Sinn dafür ver­lo­ren, haben wir auch kei­nen sol­chen mehr“, meint der 62-Jäh­ri­ge.

Online: „Ter­ras­se mit Meer­blick“

18.09.2022 15:20
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„Die bes­te Lite­ra­tur-Ver­an­stal­tung ever“ Autor Adi Traar, Adi Weisch, Gemeindevorständin Gerlinde Bauer-Urschitz sowie Vizebürgermeisterin und Kulturreferentin Christine Sitter (von links)

© Doris Rottermanner