Natur & Wissen

Der Acker von Welt

Der „Weltacker“ bei St. Michael ob Bleiburg zeigt, wie (eintönig) sich der Anbau von Nahrungsmitteln auf der Welt gestaltet. Zusätzliche Blumen- und Kräuterwiesen, Gemüsekreise, Obstbäume und Pilzbeete bieten eine faszinierende Vielfalt.

Der Acker von Welt Gute Stimmung zur Erntezeit: Im Verein „Weltacker“ sind Interessierte und Helfer immer willkommen.

© Margit Dietrich

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„Wenn wir die gesam­te Acker­flä­che unse­res Pla­ne­ten durch die Zahl aller Men­schen tei­len, ergibt das 2.000 Qua­drat­me­ter für jeden Ein­zel­nen. Dar­auf muss theo­re­tisch alles wach­sen, was einen Men­schen in einem Jahr ernährt und ver­sorgt. Also auch das Fut­ter für Tie­re, Fasern für Klei­dung oder Roh­stof­fe für indus­tri­ell her­ge­stell­te Pro­duk­te.“ Vol­ler Ener­gie und Lei­den­schaft erklärt Mar­tin Jer­nej, wor­um es beim „Welt­acker“ geht. Er ist Bio-Land­wirt und enga­giert sich seit der Grün­dung und Ent­ste­hung Anfang des Jah­res 2022.

Ein G’spür für Grö­ßen­ver­hält­nis­se

Ein Rund­gang am Acker zeigt, dass Eini­ges nicht gut gewach­sen ist. Für den Mais war es heu­er viel zu tro­cken. Eben­so für den Reis, bei dem es sich sogar um eine spe­zi­el­le, öster­rei­chi­sche Sor­te han­delt: „Öster­Reis“. Wenn man mit­ten im Welt­acker steht, sieht man, dass Wei­zen die größ­te Anbau­flä­che in Anspruch nimmt. Die welt­weit größ­te Men­ge an Ertrag lie­fert hin­ge­gen Mais. Auch Öl- und Faser­pflan­zen wie Hanf und Lein spie­len eine Rol­le. Die Lein­pflan­zen sind gut gereift – ihre Samen wer­den mit einem Rif­fel geern­tet.

Erfolg­rei­ches ers­tes Jahr

Der Welt­acker ist eine Idee, die aus Deutsch­land stammt und mitt­ler­wei­le in vie­len Län­dern umge­setzt wur­de. Jener in St. Micha­el ob Blei­burg ist als Ver­ein orga­ni­siert. Alle sind mit unbän­di­gem Eifer und Lei­den­schaft bei der Sache. „Wir woll­ten heu­er, im ers­ten Jahr, mit vier oder fünf anschau­li­chen Bee­ten begin­nen. Dann haben wir uns aber so rein­ge­stei­gert, dass wir alles voll bepflanzt haben“, lacht Jer­nej. Sei­ne Frau Lud­mil­la ist als Kräu­ter­päd­ago­gin enga­giert. Sie führt Kin­der über Äcker, Wie­sen und Bee­te, zeigt ihnen, wel­che Pflan­zen wie wach­sen, kocht mit ihnen Gemü­se ein und ver­mit­telt ihnen die Schät­ze und Kräf­te der Natur.

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Man muss sich nur zu hel­fen wis­sen: Die Lein­sa­men wer­den mit einem Schwarz­bee­ren-Rif­fel geern­tet.
© Mar­git Diet­rich

Platz für Expe­ri­men­te

Auf dem Grund­stück des „Welt­ackers“ wer­den auch Pflanz­ver­su­che unter­nom­men. So wid­met Ver­eins­ob­mann Karl Breit­fuß eine schat­ti­ge Ecke der Zucht von Pil­zen. Er hat kurz geschnit­te­ne Stäm­me von Laub­bäu­men mit Pilz­my­zel geimpft. Das heißt, er hat Holz­dü­bel, die mit Pilz­zel­len „infi­ziert“ sind, hin­ein­ge­bohrt. Wenn der Baum­stamm schön feucht bleibt, brei­tet der Pilz rasch sein Geflecht dar­in aus und wächst an den Außen­sei­ten als Schwamm her­aus. Der Schwam­merl­züch­ter baut belieb­te Vital- und Heil­pil­ze an: Aus­tern­pil­ze, Kräu­ter­seit­lin­ge, Shii­ta­ke und auch Rei­shi, den „Pilz der Unsterb­lich­keit“ .

Gar­ten für Gene­ra­tio­nen

Die Obst­bäu­me am „Welt­acker“ sind klein und tra­gen noch kei­ne Früch­te. „Das wird noch! Die nächs­te Gene­ra­ti­on kann sich dar­über freu­en“, ist Jer­nej zuver­sicht­lich. Das Gemü­se ist bereits geern­tet. Aus Kar­tof­feln und Kür­bis­sen wur­de eine köst­li­che Sup­pe gekocht. Lein­sa­men, Soja­boh­nen und der wei­ße Mais wer­den getrock­net und sol­len im kom­men­den Jahr als Saat­gut die­nen. Oft kom­men Kin­der aus umlie­gen­den Schu­len und Gemein­den, um bei der Ern­te zu hel­fen. „Wenn die Kin­der in der Schu­le gefragt wer­den, woher die Karot­ten kom­men, und die Ant­wort „vom Spar in Blei­burg“ lau­tet, dann ist es an der Zeit, dass sie sich das bei uns aus nächs­ter Nähe anschau­en und selbst Karot­ten aus der Erde zie­hen“, zeigt sich Jer­nej bestürzt und amü­siert zugleich.

Wohl­ver­dien­te Win­ter­ru­he

Für die bevor­ste­hen­den Win­ter­mo­na­te wird auf den Acker­flä­chen Klee aus­ge­sät, denn „er bedeckt und schützt den Grund“, erklärt Mar­tin Jer­nej. Der Win­ter­wei­zen muss noch ange­baut wer­den, und dann „fällt hof­fent­lich bald Schnee und deckt alles zu! Dann kön­nen wir end­lich Pau­se machen“, lacht Jer­nej.

Online: www.weltacker.at

16.10.2022 06:00
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Der Acker von Welt Gute Stimmung zur Erntezeit: Im Verein „Weltacker“ sind Interessierte und Helfer immer willkommen.

© Margit Dietrich